Apples iPad ist ein iPhone - nur größer
28. Januar 2010 - 15:48 – ThorstenGestern hat Apple das lang erwartete iPad vorgestellt. Damit enden die monatelangen Spekulationen darüber, ob Apple den besseren eReader auf den Markt bringen wird. Die Antwort ist klar: Nein, ein eReader ist das nicht. Was also hat Apple falsch gemacht, und was richtig?
Normalerweise kaufe ich unbesehen alles, was Apple auf den Markt bringt. Beim iPad bin ich mir nicht sicher und werde mir das Gerät erst einmal in natura ansehen, bevor ich mich entscheide. Das liegt daran, dass ich wahrlich ausreichend mit Notebooks und Netbooks versorgt bin und auch schon ein iPhone habe. Im Moment sehe ich nicht, welchen Zusatznutzen mir das iPad bringt. Vom Aussehen und vom Betriebssystem her ist das iPad nichts anderes als ein iPhone, wenn auch mit einem etwa vier mal so großem Display. Alle iPhone-Apps sollen daher lauffähig sein, entweder im Vollformat oder im kleinen iPhone-großem Fenster. Verbindung zur Aussenwelt nimmt das iPad, wie sein kleiner Bruder, über WLAN oder über das GSM-Netz auf. Das dürfte auch der Weg sein, wie eBooks via dem ebenfalls neuen iBooks-Store, ihren Weg auf das Gerät finden.
Leider hat das iPad vom iPhone zwei Eigenschaften geerbt, die es als eReader wenig tauglich erscheinen lassen. Da ist zunächst einmal das hintergrundbeleuchtete LCD-Display. Das ist super in seiner Brillanz und Leuchtkraft für Spiele oder Videos geeignet. Zum stundenlangen Lesen eignet es sich hingegen nicht. Mir kommt es immer so vor, als würde mir beim Lesen jemand mit einer Taschenlampe ins Gesicht leuchten. Spätestens nach einer halben Stunde muss ich eine Pause einlegen. Dies ist - jedenfalls auf dem iPhone - selbst dann der Fall, wenn ich die Hintergrundbeleuchtung komplett herunter dimme. Ich fürchte, beim iPad wird es nicht anders sein.
Der zweite große Kritikpunkt ist die Batterielaufzeit. Angeblich soll sie beim iPad etwa 10 Stunden betragen, jedenfalls sagt das Apple. Der Erfahrung gehorchend, misstraue ich solchen Zeitangaben ganz gewaltig. Sie werden meist unter optimalen Bedingungen gemessen. Unter realistischen Bedingungen kommt bei mir häufig nur die Hälfte raus. Das würde bedeuten, dass das iPad nach etwa 5 Stunden wieder an die Steckdose muss. Dies ist mir viel zu kurz. Zehn Stunden wäre für mich eine absolute Untergrenze, wenn sie denn erreicht würden. Wie gesagt, ich bin da skeptisch.
Die Abstammung vom iPhone hat aber auch Vorteile: Es stehen von Anfang an bewährte eReader-Apps und entsprechender Content zur Verfügung. Ob die Kindle-App, Stanza, der Reader von Barnes&Noble oder die vielen anderen eBook-Angebote im App-Store, sie liefern genügend Lesestoff für alle, denen die Taschenlampe im Gesicht egal ist. Über die Apple-eigene eBook-Plattform ist derzeit noch sehr wenig bekannt, aber auch ohne sie ist das Angebot an eBooks für das iPad riesig.
Auch wenn sich das iPad meiner Meinung nach nicht zum stundenlangen Schmökern eigenet, scheint es mir doch die ideale Plattform für Magazine und Zeitschriften zu sein. Zunächst einmal deshalb, weil man diese Publikationen in aller Regel nicht über mehrere Stunden lesen wird, sondern nach 30 bis 45 Minuten meist "durch" ist. Aufwändig gestaltete Magazine mit vielen Bildern kommen auf keinem der bisher verfügbaren eReader zur Geltung, beim iPad wird dies anders sein. Hier wird das Gerät ganz sicher punkten und das mag auch der Grund sein, warum ich mir vielleicht doch ein iPad kaufen werde.
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