eBook-Preise: wofür zahlen wir eigentlich?

Früher, in der Welt der richtigen Bücher war vollkommen klar, wofür ich an der Kasse bei Hugendubel mein Geld lassen: Ich kann ein Druckerzeugnis mit nach Hause nehmen und damit machen, was ich will: Ins Regal stellen, zerfleddern, verkrizzeln, verleihen, verlegen und verschenken. Und lesen natürlich auch. In der digitalen Welt der eBooks ist das alles anders. Ein eBook kann ich nicht in die Hand nehmen, verleihen auch nicht, nur lesen, das kann ich immer noch. Doch ist es angemessen, wenn ich dafür fast den gleichen Preis zahlen muss wie für ein gedrucktes Buch?

Der Wert eines eBooks bemisst sich generell anders als der eines herkömmlichen Buches. Ich begreife ein eBook als eine Dienstleistung und weniger als eine Ware. Wenn ich bei Amazon ein eBook kaufe, erhalte ich - ausser dem Inhalt - folgende Leistungen:

  • Sofortige Zustellung, ohne dass ich mich von der Stelle bewegen müsste. Keine Kosten für den Weg in die Buchhandlung oder zur Post.
  • Speicherung in meinem virtuellen Bücherregal bei Amazon. Verlieren oder Beschädigung unmöglich.
  • Eingebautes Wörterbuch und Nachschlagen bei Wikipedia. Keine zusätzlichen Kosten für Nachschlagewerke oder Wörterbücher.
  • Volltextsuche nach jedem beliebigem Wort.
  • Beliebig viele Lesezeichen und Anmerkungen, die das eigentliche Buch nicht beschädigen oder verändern.
  • Textgröße beliebig anpassbar. (Wir werden alle älter)
  • Ich kann den Text nicht nur lesen, sondern mir auch vorlesen lassen.

Insgesamt finde ich, ist dies mindestens den Preis eines gedruckten Buches wert. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass es auch eine Schattenseite gibt. Zumindest bei Amazon. Aufgrund der Tatsache, das der Kindle über Whispernet ständig mit Amazon verbunden ist, können auch „gekaufte“ eBooks einfach fern-gelöscht werden. So geschehen im Sommer 2009. Ausgerechnet bei Orwell 1984 hat sich Amazon auf diese Weise als Big Brother entlarvt.

Mich würde interessieren, wie Sie die eBook-Preise beurteilen. Immerhin kann man sich auch zu Fug und Recht auf den Standpunkt stellen, eBooks müssten grundsätzlich günstiger sein als Papierbücher, schliesslich entfallen Druck- und Papierkosten.

Kommentare

Müssten eBooks grundsätzlich immer billiger sein als pBooks

Wenn eBooks und pBooks quasi Kopien ein und derselben Sache sind, dann sollte sich diese auch im geforderten Preis niederschlagen. Und wenn der erste größere Verlag aus dem Preiskartell aussteigt, dann geht's m.E. auch mit den geforderten und erzielbaren Preisen steil bergab.

Wenn ich heute noch Bücher verlegen würde, könnten eBooks auch deutlich teurer sein, den sie hätten Multimedia, Applikationen, Services, etc. die dem Nutzer / Käufer diesen Kauf preis-wert machen würden.

Irgendwann, so vermute ich kommen Buchverleger auch auf die Idee, dass es sehr viel profitabler ist über individuelle Einzelkopien in zigtausend Varianten zu verkaufen und den "nackten Inhalt" kostenlos verfügbar zu machen und zu Grenzkosten unter das Volk zu bringen.

Bild von Thorsten

Interssanter Long-Tail-Gedanke

Ich glaube, dass der Trend dahin geht, dass für das Packaging, für die Dienstleistung, Informationen bedarfsgerecht zusammen zu stellen, bezahlt wird.

Es wird keine Verlagshäuser mehr geben

In einer digitalen Welt ist es egal ob ich Inhalte per Bild, Ton oder Text anbiete, der Inhalt ist Unabhängig vom Medium. Somit werden die grenzen zwischen Fernsehanstalten, Radiostationen und Verlagshäuser nicht mehr existieren. Die ARD wird eBooks produzieren, genauso wie Springer Bild und Toninhalte Produziert. Es geht nicht mehr um das Medium, sondern um den Inhalt. Daher ist es nicht wichtig wie viel mir ein eBook Wert ist, sonder wie viel mir der Inhalt Wert ist. Es ist egal ob die Produktionskosten größer oder kleiner sind als bei einem normalen Buch, die Frage ist, bin ich bereit für den Inhalt und deren Präsentation das Geld zu bezahlen.

Auf dem Kopf

Ich denke hier genau gegenteilig. Ein eBook sollte immer viel billiger sein.

1. Bücher auf Papier kann man Verschenken, Verkaufen und Kopieren etc... (habe ich eben schon unter einem anderen Artikel kommentiert). Das alles kann ich mit einem eBook nicht tun.

2. Es gibt keine Produktionskosten für eBooks. Ob ich jetzt hundert oder hunderttausend eBooks verkaufe, es macht in der Produktion keinen Unterschied.

3. Ich brauche einen eBook Reader oder einen Computer/iPhone etc um den Kram zu lesen. Weitere Opportunitätskosten.

Da Nutzen und Produktionskosten der eBooks geringer sind, sollte/muss der Preis auch geringer sein, damit eBooks interessant werden.

Gruß,
René

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