txtr legt sich mit dem Kindle an - ist das wirklich klug?

In dem Beitrag De-mystifying the Amazon Kindle auf dem txtr Blog vergleicht das Berliner Unternehmen seinen hoffentlich bald verfügbaren eReader mit dem Amazon Kindle. Ich möchte an dieser Stelle nicht darauf eingehen, dass einige der angesprochenen Fakten doch recht geschönt sind. Vielmehr stellt sich mir die Frage, ob die txtr-Truppe gut beraten ist, sich mit dem Amazon Kindle zu vergleichen.

Selbst wenn der txtr eReader technisch dem Kindle mindestens ebenbürtig ist, ist David nicht gut beraten, Goliath frontal anzugreifen. Eine viel bessere Marketingstrategie wäre es, die Produktnutzen zu betonen, bei denen der Kindle nicht mithalten kann. In ähnlichen Situationen habe ich dies in der Vergangenheit einige Male erfolgreich durchgezogen. Ich nenne das den „Kriegsschauplatz zu verschieben“ - und zwar in eine Richtung, in die der Gegner nicht folgen kann. Wo könnte der txtr den Kindle erfolgreich angreifen?

Meines Erachtens hebt sich die txtr-Plattform in einem wesentlichem Aspekt von allen anderen eReadern ab: sie verfügt über Social Media-Funktionen, die der gesamte Wettbewerb nicht hat. Bei txtr heisst das

Vernetzes Lesen - txtr hilft beim Umgang mit digitalem Text und synchronisiert das, was Sie lesen mit dem, was andere lesen.

Ich finde, das ist ein hervorragender Ansatz, der im Moment noch viel zu wenig betont wird.

Dabei finde ich es noch nicht einmal sonderlich interessant zu sehen, welche eBooks andere lesen. Viel interessanter ist für mich der Aspekt, der auf dem txtr-Portal mit Webseiten speichern bezeichnet ist. Dahinter verbirgt sich ein wirklich cooles Feature: Wenn ich beim Surfen auf einen längeren Text stosse, den ich nicht sofort lesen möchte, kann ich ihn über ein Bookmarklet auf der Plattform speichern. Danach ist der Text jederzeit über den eReader wireless verfügbar. So funktioniert das heute bereits mit der iPhone-Applikation und hoffentlich dann auch mit dem Reader.

Für mich ist das ein Killer-Feature, weil ich das meiste, was ich lese, online finde und den Content auf diese Weise mobil machen kann. Ausserdem ist das Lesen auf einem eReader viel angenehmer als auf einem Notebook. Dieses Feature hat der Kindle nicht, das ist es was txtr betonen sollte. Nicht im Vergleich mit anderen, sondern als Alleinstellung. Das Einprügeln auf Wettbewerber ist noch nie gut angekommen und ist auch vollkommen unnötig, wenn man über ein solches Alleinstellungsmerkmal verfügt. txtr wäre gut beraten, die Zeit bis zum Produktlaunch zu nutzen und die Ecken und Kanten an der Plattform auszubügeln. Dann hat der txtr beste Erfolgschancen.

Kommentare

txtr Probleme

txtr ist technisch gesehen ein tolles Teil. Ich denke aber trotzdem, dass ich mein primäres Problem damit (und mit allen anderen eBook Readern) leicht zusammenfassen kann: Warum sollte ich 300+ € für einen eReader bezahlen, wenn ich dann für die Bücher (und eventuell Zeitungen) den gleichen Preis wie für die Variante auf gedrucktem Papier zahle?

Zur Erinnerung: ich kann ein Buch auf Holz verkaufen, voll kritzeln, verschenken, kopieren etc...

Nicht Amazon oder der Kindle sind das größte Problem von Newcomern wie txtr oder dem Sony Reader - es sind die deutschen Verlage, die nicht an einem eBook Markt interessiert sind. Der Kindle Store in den USA geht in die richtige Richtung, die internationalen sind ein Witz.

 beam - Die eBook Bibliothek